Intensives Hospizgespräch im Evangelischen Gemeindehaus Sandheide mit großem Publikum

Das „Märchen der TrauerVerarbeitung“!

18.09.2018

Das „Märchen der TrauerVerarbeitung“!
Intensives Hospizgespräch im Evangelischen Gemeindehaus Sandheide mit großem Publikum

Die „Hochdahler Hospizgespräche“ haben eine gut 20jährige Tradition. In diesem Jahr standen dabei weniger die Sterbenden, als vielmehr die Trauernden im Mittelpunkt des Gesprächs, was offensichtlich großen Anklang fand: Mehr als 100 Gäste kamen am 8. September ins Evangelische Gemeindehaus Sandheide, um das Impulsreferat „Das Märchen von der TrauerVerarbeitung" von Monika Müller zu hören. Die ausgewiesene Trauerexpertin charakterisiert Trauern als eine angeborene emotionale Fähigkeit des Menschen, die zuweilen beeinträchtigt wird, weil ihr zu wenig Raum zugestanden wird. Trauern wird ausgelöst durch den Verlust einer Person oder Sache, zu der eine sinnerfüllte Beziehung besteht. Oft beginnt der Trauerprozess bereits, bevor der eigentliche Tod (von Angehörigen) eintritt. „Trauern hat viele Gesichter“, bekräftigte Monika Müller in ihrem Vortrag. Er faszinierte auch dadurch, dass er tief verwurzelte Überzeugungen zum Trauern hinterfragte und als „Mythen“ widerlegte. Menschen neigen oft dazu, etwas „Ver“arbeiten zu wollen, im Sinne einer Beseitigung, was weder gelingt noch sinnvoll wäre, so Monika Müller. Sie nennt den „Zeitfaktor“: Das soziale Umfeld und die Leistungsgesellschaft bauen Druck auf: ein Jahr Trauerzeit muss ausreichen! Nachweislich trauern viele Menschen jedoch länger: sechs Jahre und mehr. Genauso verkehrt sei es, an einen „linearen“ Trauerprozess zu denken. Trauern sei ein vielschichtiges und komplexes Gefühl. Ein Ver“arbeiten (Müller: „Beamten-denken“) gelingt nicht, denn die Trauer „erledigt“ sich und „beseitigt“ sich nicht!

Dafür führte Monika Müller ein deutliches Beispiel an: Eine ältere Frau trauerte acht Jahre nach dem Tod ihres Mannes so sehr, dass sie schließlich eine kreative Lösung suchte, indem sie selbst ein Märchen schrieb. Vor dem Auditorium demonstrierte Monika Müller dieses Märchen - mit einer Maske in ihrer rechten Hand, was die Zuhörer fesselte. Es geht um eine Königstochter, die ihren Prinzen an den Tod verliert. Trauernd stürzt sie in eine tiefe Höhle. Dort sitzt sie verzweifelt und weiß sich nicht zu helfen. Dann kommt der Rat einer Fee und sie beherzigt ihn. Sie steigt - gegen innere Widerstände - immer tiefer in die Höhle. Wie ein Wunder verwandeln sich ihre Tränen in Kristalle, die sich am Boden sammeln, eine Treppe bilden, um ihr am Ende den Weg in die Welt der Lebenden zu bahnen. Das Bespiel zeigt: Märchen können beim Trauern eine produktive Rolle spielen, sie lassen zugleich Reales und Surreales zu und geben der chaotisch gefühlten Trauer eine Form. Nicht zuletzt ermöglichen sie eine gesunde Distanzierung, eine elementare menschliche Fähigkeit.

Während Monika Müller primär auf die sprachliche Form der Trauerarbeit einging, drehte sich die anschließende Diskussion um weitere Traueraspekte. Am Podium versammelten sich – stellvertretend für das regionale Netzwerk zur Trauerbegleitung: Claudia Schmitz, Koordinatorin im Franziskus-Hospiz Erkrath, Christa Cholewinski, Trauerbegleiterin mit Schwerpunkt Kinder + Geschäftsführerin des Hildener Kinderschutzbundes, sowie Ulrike Herwald von der Hildener Hospizbewegung und Kirstin Walter von der Christlichen Hospiz- und Trauerbegleitung Haan. Zum einen gaben die vier Expertinnen Auskunft über bestehende und neue Trauerangebote: So sollen im Franziskus-Hospiz ab Herbst - neben dem seit 2003 bestehenden Trauer-Cafè – auch „Gesprächskreise“ für Trauernde eingerichtet werden. Zum anderen beantwortete die Podiumsrunde, die von Hospizleiter Robert Bosch einfühlsam moderiert wurde, zahlreiche Publikumsfragen:

Können Rituale den Trauerprozess unterstützen - und welche eignen sich besonders? Das können Erinnerungsbücher und besondere Kalender sein, die die Biografie des Verstorbenen betreffen. Oder sein Lieblingskuchen, der an besonderen Tagen aufgetischt wird. Rituale können auch individuell verändert und angepasst werden. Trauern Männer anders als Frauen? Aus Monika Müllers Erfahrung gehen Männer weniger gern in Trauergruppen und sprechen auch seltener über ihre Gefühlswelt. Alternativen dazu bieten „manuelle“ Angebote – wie „Keiner ist(s)t gern allein“, d. h. ein Kochgruppenangebot für trauernde Männer. Der Tod eines geliebten Haustieres kann ein guter Einstieg sein, um Kinder an die Sterblichkeit der Menschen heranzuführen. Welche Angebote es für trauernde Kinder und Jugendliche gibt, erläuterte Christa Cholewinski, die Kinder teilweise über Jahre begleitet. Auch Großeltern können - zu Lebzeiten - ihre eigenen Enkel mit der Endlichkeit des Lebens vertraut machen. Die „versammelten“ Trauerexpertinnen appel-lierten an das Publikum, als Multiplikator tätig zu werden und die gewonnenen Einsichten über die Mythen der TrauerVerabeitung im persönlichen Rahmen publik zu machen.

Service: Den aktuellen Flyer zu regionalen Trauergruppen kann man u.a. im Franziskus-Hospiz Hochdahl erhalten: T: 02104-9372-0

 

 

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