Die Exkursion der ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeiter führte auf Melaten in Köln

Wer über Kölns größten Friedhof spaziert, entdeckt schon wenige Meter hinter dem Eingangsportal die Grabsteine der Stadtprominenz:

Grabstätte von Willi Millowitsch

08.12.2016

Spannende Sicht auf Kölner Stadt- und Bestattungsgeschichte

 Wer über Kölns größten Friedhof spaziert, entdeckt schon wenige Meter hinter dem Eingangsportal die Grabsteine der Stadtprominenz: Ob Zeitungsverleger, Duftwasser-hersteller, Schauspieler oder Erfinder – sie alle fanden auf Melaten ihre letzte Ruhe.

Dieser Friedhof ist das kollektive Gedächtnis der Stadt, ein Archiv – oder auch „Schwamm“, der alles aufsagt“, schwärmt Historiker Dr. Wolfgang Stöcker, der als Stadtführer diesen 59000 Gräber umfassenden Ort wie seine Westentasche kennt. Kein Wunder, dass die zwölf Hospiz-Mitarbeiter aus Erkrath in der zweistündigen Exkursion viel Neues über Stadt- und Bestattungsgeschichte erfuhren. Dank der eindrucksvollen Familiengruften und kunstvoll gestalteten Grabfiguren ist Melaten eine Augenweide.

Kurzweilig und hintergründig waren Stöckers Einblicke in gut 200 Jahre Kölner Bestattungsgeschichte. Der 47jährige kennt nicht nur viele Verbindungslinien zwischen Kölner Geldadel, Zuckerbaronen und Stadtbaumeistern. Er weiß auch bestens Bescheid über die großen sozial- und religionsgeschichtlichen Entwicklungslinien. Melaten startet vor 200 Jahren mit einer Art Revolution im deutschen Bestattungswesen, zumal damals im Rheinland die französische Besatzungsmacht regiert. Dadurch fließen Vorschriften zur Hygiene und Seuchengefahr in den Alltag der Rheinprovinz ein: 1804 verboten die Franzosen per Dekret die Bestattung auf den vorhandenen 19 Friedhöfen Kölns, weil sie in nächster Nähe zu den Kirchenmauern lagen. Aus Angst vor Seuchen planten sie einen Friedhof gut zwei Kilometer vor den Stadttoren. Im Areal der ehemaligen Leprakranken-Station von Köln - von „malad“ (krank) ist auch Melaten abgeleitet – wurden daher ab 1810 die Bürger der Stadt bestattet. Obwohl der Friedhof konfessionsübergreifend angelegt ist, wurden dort zunächst nur katholische Kölner bestattet. Der erste Protestant fand erst 19 Jahre später dort seine letzte Ruhe.

Bei der Exkursion wurde natürlich auch das „Who ist who“ der Kölner Prominenz gestreift. Stöcker konnte viele Anekdoten zu Berühmtheiten beisteuern: zum Motoren-Erfinder Nicolaus August Otto, zum Frauenschwarm-Schauspieler Willi Birgel, den Kölner Origina-len Willi Millowitsch und Dirk Bach wie auch zu geistesverwandten Malern und Architekten, die sich zeitlebens - und bei der Grablegung – räumlich sehr nahe blieben. Insgesamt eine sehr gelungene Exkursion, die Appetit macht auf weitere Streifzüge mit Wolfgang Stöcker.

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